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politik:art03

Dividende statt Sicherheit, selbst bei Radioaktivität

Eine Verordnung vom 25.03.2011 im Eilverfahren erhöht die Grenze für verstrahlte Lebensmittel aus Japan [1]. Welche Medien berichten darüber? Niemand. Es ist wieder einmal erschreckend, wie zugunsten der Atomlobby in der Presse nur verkündet wird, wie unsere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Frau Ilse Aigner versichert, dass nur 0,05 % der Lebensmittelimporte aus Japan stammen. Dass aber für diese 0,05 % eine Ausnahme in der maximal radioaktiven Belastung gemacht wird, wird verschwiegen.

Mit welchem Grund darf diese Verordnung verabschiedet werden? Ursprünglich wurde diese Regelung infolge vom Unfall in Tschernobyl getroffen, um die Versorgung mit Lebensmitteln nach einen nuklearen Unfall sicherzustellen. Diese Regelung ist sinnvoll, denn wenn in Deutschland ein Unfall passieren sollte, dürften trotzdem noch „leicht kontaminierte“ Lebensmittel verkauft werden, wenn es sonst zu einer Nahrungsmittelknappheit kommen würde.

Japan ist jedoch kein wichtiger Nahrungsmittel-Importeur. Mit einem maginalen Anteil von 0,05% ist der Ausfall bzw. sogar ein Verbot der Einfuhr von Lebensmittel aus Japan leicht verkraftbar. Also lautet die zu klärende Frage: Warum gefährdet die europäische Union ihre Bevölkerung? Aus gesundheitlicher Sicht ist dieses Verhalten irrational. Betrachtet man jedoch das Vorgehen aus wirtschaftlicher Sicht, ist es nachvollziehbar. Japans Wirtschaft leidet. Die Devisenintervention der G7 im Yen Dollar Kurs war nur eine Maßnahme um Japans Wirtschaft zu helfen [3]. Ein weltweites Verbot von Lebensmitteln aus Japan (infolge von Grenzüberschreitungen bei der maximal erlaubten Radioaktivität), würde einen weiteren Industriezweig des exportabhängigen Japans gefährden.

Also wird ein unnötiger gesundheitlicher Schaden der europäischen Bevölkerung in Kauf genommen, um die Wirtschaft Japans zu stützen. Ich würde gerne jeden, der diese Verordnung unterstützt hat oder mitzuverantworten hat, die nächsten drei Monate nur noch mit japanischen Lebensmitteln ernähren. Dann würde ich auch ein Vertrauen haben, dass zu meinem Wohl regiert wurde. Denn solange gilt diese zum Glück zeitlich begrenzte Verodnung im Eilverfahren.

Frau Conrad (SPD) hat meinen Respekt öffentlich dagegen zu protestieren. Allerdings kenne ich ihre Absichten nicht und hoffe, dass dieser Disput an die EU nicht nur dem Wahlkampf dient.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium widersprach: „Leider gibt es keinen Grenzwert für billige Wahlkampfmanöver. Frau Conrad hat keine Ahnung“, hieß es aus Berlin. Die Grenzwerte, die jetzt von der EU europaweit in Kraft gesetzt würden, entsprächen den international verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie seien international wie national anerkannt und im übrigen auch von der damaligen rot-grünen Bundesregierung nicht infrage gestellt worden. Quelle: [4]

Welche Erkenntnisse, welche Studien, welche Belegungen fundieren die Behauptungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums? Diese Stellungsname kann nur als Warnschuss für Frau Conrad verstanden werden - jedoch ohne wissenschaftliche Belege. Hoffnung aus der Politik gibt es wenig, denn einzelner Widerstand wird sofort im Keim erstickt.

politik/art03.txt · Zuletzt geändert: 2011/05/07 13:18 von ben