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politik:art09

Unterschiedliche Berufsverläufe von Frauen und Männern innerhalb der gleichen akademischen Professionen

Zusammenfassung

Berufsverläufe von Frauen und Männern In der Hausarbeit geht es um die Frage, inwiefern sich der Berufsverlauf zwischen Männern und Frauen in der gleichen akademischen Profession unterscheidet. In einer Utopie würden keine Unterschiede aufgrund von dem Geschlecht existieren. Um die in der Realität festgestellten Unterschiede in der horizontalen und vertikalen Segregation zu untersuchen, wurde eine längschnittliche Studie jeweils in der Profession der Medizin und Psychologie durchgeführt. Die Studie führte bei allen Teilnehmern eine postalische Befragung und bei ausgewählten prototypischen Vertretern ein Leitfadeninterview durch. Anhand der Ergebnisse wird ausserdem versucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Medizin und Psychologie zu erkennen.

Die Studie "Profil"

Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Studie „Professionalisierung und Integration der Lebensspähren: Geschlechtsspezifische Berufsverläufe in Medizin und Psychologie“, welche von 1999 bis 2004 durchgeführt wurde.

Die Studie betrachtet männliche und weibliche Medizinier und Psychologen und versucht die horizontale und vertikale Segregation anhand von Berufsverläufen und Biografien zu klären.

Motivation

Statistiken (siehe Abbildung 1.1) zeigen eine starke geschlechtliche Segregation bei der Verteilung der einzelnen Fachgebiete der Medziner. Mit 7,9% ist die Urologie das Fachgebiet mit dem geringsten Frauenanteil, während in der Kinderheilkunde(49,1%) und praktischen Medizin(51,5%) der größten Frauenanteil liegt, nur eine geschlechtliche Gleichverteilung vorliegt.

Insgemsamt sind jedoch nur 37,4% aller Ärzte Frauen, womit es überproportional viele Kinderärztinnin gibt. Des Weiteren sind Männer häufiger in den prestigeträchtigen Fachgebiten vorzufinden (Chirugie, Urologie und innere Medizin), während Frauen eher in nicht als prestige angesehen Gebieten arbeiten.

Diese Segregationsprozesse setzen erst nach dem Studium ein. Während des Studiums gibtes keine Anzeichen für eine ungleiche Verteilung und die Ziele von weiblichen und männ- lichen weisen keine signifikanten Unterschiede auf.

Doch neben der horizontalen Segregation findet auch eine vertikale Segregation statt. So sind Männer überproportional in höheren Positionen wie dem Chefarzt oder Abteilungsleiter vertreten. Die Motivation der Studie ist zu klären, welche Entscheidungen und Ursachen zu solch ei- ner geschlechtsspezifischen Segregation führen. Gleichzeitig versucht die Studie die Medizin auch mit anderen Professionen wie der Psychologie zu vergleichen und deren Zusammen- hänge, aber auch Unterschiede, herauszukristallisieren. Des Weiteren untersucht die Studie den Zusammenhang zwischen Berufsverlauf und beruflichen Erfolg und klärt, was überhaupt als beruflicher Erfolg angesehen wird. Besonders interessant ist, dass die alte traditionsreiche Profession Medizin mit ihren ausgeprägten und etablierten Fachgebieten gegen die noch junge nicht etablierte Psycho- logie verglichen wird. Im Gegensatz zur Medizin stand den Frauen das Studienfach der Psychologie seit Einführung des Studiengangs zur Verfügung.

Aufbau und Struktur

Die Studie, ein DFG-Projekt mit dem Titel „Professionalisierung und Integration der Le- bensspähren: Geschlechtsspezifische Berufsverläufe in Medizin und Psychologie“ (1999) von Hohner, Grote, Hoff und Dettmer, gliedert sich in zwei Schritte. In dem ersten Schritt wer- den an alle eingeschrieben Ärzte der Ärztekammer Berlin und Niedersachsen ein Fragebogen geschickt, welcher Fragen bezüglich der Berufsbiographie beinhaltet. Dieser Fragebogen hat- te Mediziner und Psychologen mit einer Approbation von vor 15 Jahren als Zielgruppe, da bei diesen Personen bereits wichtige berufliche und private Weichenstellungen erfolgt sind. Erhoben wurden folgende Daten: soziodemographische Angaben, aktuelle Berufstätigkeit, Berufsfindung und die eigene Berufsbiographie. Insgesammt bestand die postalische Befra- gung aus einem 20-seitigen Fragebogen mit 50 Fragekomplexen, die sich aus standartisierten Items, halboffenen und offenen Fragen zusammensetzen.

Abbildung 1.1: Verteilung der Medizinnerinnen auf die einlnen Fachgebiete.

Die Ergebnisse der postalischen Befragung wurden in vier Dimensionen beschrieben.

* Kontinuität vs. Diskontinuität * Aufstieg vs. Abstieg oder Verbleib in gleicher/ähnlicher Position * Institutioneller Kontext vs. freiberufliche Tätigkeit * Eingleisigkeit vs. Mehrgleisigkeit Mit der Kontinuität ist die durchgängige Ausübung des Berufes gemeint. Von Diskonti- nuität redet man, wenn durch die Geburt eines Kindes, der Arbeitslosigkeit oder sonstigen Faktoren die Ausübung des Berufes unterbrochen wird.

Die zweite Dimension beschreibt die Karriereleiter und den damit verbundenen Aufstieg in eine Führungsposition oder Abstieg durch z.B. einen Jobwechsel, einer diskontinuierlichen Phase oder anderen Gründen.

Der Institutionelle Kontext meint das Ausüben des Berufes als Angestellter in einer Institution wie z.B. einem Krankenhaus oder einer Psychiatrie. Die Freiberufliche Tätigkeit bedeutet die Selbstständigkeit durch z.B. eine eigene Praxis oder das Leben als Freelancer, wenn z.B. sich die Polizei einen Kriminalpsychologen für einen besonders schwierigen Fall zur Hilfe holt.

Die vierte Dimension der Eingleisigkeit vs. Mehrgleisigkeit beschreibt die Spezialisierung der Person auf ein oder mehrere Fachgebiete.

Im zweiten Schritt wurden prototypische Berufsverläufe ausgewählt und diese Personen in einem halboffenen Leitfaden gestützem Interview befragt. Dabei wurde insbesondere folgende Bereiche genauer untersucht:

  • aktuelle Berufstätigkeit
  • Berufsfindung
  • frühere Lebensplanung
  • Einflüsse zwischen beruflichen und privaten Lebenssituationen
  • Eigener Berufsverlauf vs. Berufsverlauf Partner
  • Vorstellung was ist Erfolg, Glück, Zufriedenheit, bilanzierung bisheriger Lebenslauf

Ziel des Interviews ist ein tieferes Verständniss über die Beweggründe der prototypischen Vertreter und das Zustandekommen ihrer Berufsbiographien.

Externe und interne Validität

Insgesamt konnten 351 Probanden aus der Medizin (50,4% Frauen und 49,6%Männer) und 585 Probanden aus der Psychologie (68% Frauen und 32%Männer) im Hinblick auf die ver- schiedenen Berufsbiographien untersucht und ausgewertet werden. Die erzielte Rücklaufquo- te ist angesichts der hohen zeitlichen Belastung und des hohen Umfangs des Fragebogens, als zufriedenstellend einzustufen. Bei den Medizinern lag die Rücklaufquote bei 19,9% und bei den Psychologen bei 27,8%. Die folgende Abbildung zeigt eine Statistik bezüglich der Rücklaufquote.  Abbildung 1.2 Übersicht der Validität

Ergebnisse in der Medizin

In der Medizin haben sich fünf Berufsverlaufsmuster herauskristallisiert, davon sind drei in stitutionelle Formen. Die Abbildung 2.1 zeigt die Verteilung der fünf Berufsverlaufsmuster. Das erste Muster (M1) ist der berufliche Aufstieg im Krankenhaus, etwa vom Assis- tenzarzt bis hin zur Chefarztposition. Dieser Berufsverlauf wird von mehr als jedem dritten Arzt jedoch nur von 13% der Ärztinnen durchlaufen, insgesamt durchläuft jeder vierte Arzt den Aufstieg in einer Institution. Das zweite Berufsverlaufsmuster (M2) ist die Kontinuität in einer Institution ohne Auf- stieg. Dieser Verlauf wird von 22,2% der Fachärzte durchlaufen, welcher zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen besteht. Das dritte und letzte institutionelle Berufsverlaufsmuster (M3) besteht aus zwei konti- nuierlichen Phasen, wobei die erste Phase eine kontinuierliche Krankenhausphase ist und danach ein Wechsel in eine ebenfalls kontinuierliche freiberufliche Phase erfolgt. Dieses Muster wird von jedem dritten Facharzt durchlaufen, auch hier besteht eine Gleichverteilung der Geschlechter. Zwei weitere Muster sind die mehr (M5) oder weniger starke (M4) Diskontinuität, wel- che nur von 15% der befragten Ärzte/innen durchlaufen wurden und folglich eher eine Ausnahme darstellt. Auffällig ist, dass die diskontinuierlichen Phasen fast nur von Frauen durchlaufen wirden.

Es kristallisiert sich eine signifikante Verteilung der verschiedenen Berufsverlaufsmuster heraus. Eine Gleichverteilung von Männern und Frauen liegt bei den beiden kontinuierli- chen Berufsverlaufsmustern M2 und M3 vor. Eine starke Dominanz der Männer liegt im Aufstiegsmuster M1 vor, welches von gut jedem dritten Mann und nur jeder zehnten Frau durchlaufen wird. Im Gegensatz dazu dominieren die Frauen in den diskontinuierlichen Mus- tern M4 und M5 mit rund 10% und 13% der Frauen und 0,6% und 5,7% der Männer, welche somit in den diskontinuirlichen Phasen stark unterrepräsentiert sind. Demnach durchlaufen viermal mehr Frauen als Männer die diskontinuierlichen Berufsverlaufsmuster. Diese Ergebnisse bestätigen die bisher von den Wissenschaftlern angenommenen Ver- mutungen der vertikalen Segregation: Männer steigen viel häufiger in höhere Positionen auf als Frauen. Es gab jedoch noch einen zweiten Befund: Fast nur Frauen durchlaufen diskontinuierliche Berufswege.

Tätigkeitsfelder

Abbildung 2.1: Gliederung Mediziner in musterhafte Berufsverläufe.

häufiger seltener
Männer in Feldern mit geringerem Frauenanteil als in der gesamten Ärzteschaft (< 37%) (N=94, 55.0%) Frauen in Feldern mit geringerem Frauenanteil als in der gesamten Ärzteschaft (< 30%) (N=65, 38.0%)
Frauen in Feldern mit höheren Frauenanteil als in der gesamten Ärzteschaft(> 37%) (N=106, 62.0%) Männer in Feldern mit höherem Frauenanteil als in der gesamten Ärzteschaft (> 37%) (N=77, 45.0%)

Tabelle 2.1: Tätigkeitsfelder (Facharztgebiete)

62 der befragten Mediziner befanden sich in Ober- und Chefarztpositionen oder in vergleich- baren Positionen. Fast alle dieser Ärzte arbeiteten in den prestigeträchtigen Fachgebieten der Chirurgie (19%), Inneren Medizin (18%) und Gynäkologie (10%). Die restlichen Män- ner verteilten sich auf alle anderen Fachgebiete. In den hohen und mittleren Positionen gab es nur 23 Frauen, welche sich jedoch gleichermaßen auf alle Fachgebiete verteilten, es gab keine Häufung spezifischer Gebiete. 5 der Frauen sind in die höchste Position aufgestiegen, von diesen ist jedoch keine einzige Chefärztin. Folglich kann eine weitere Schlussfolgerung gezogen werden: “Männer “machen Karriere” in den für die höchsten Profession zentralen Tätigkeitsfeldern; die wenigen Frauen, die bis in die höchsten Positionen gelangen, steigen dagegen eher in solchen Bereichen auf, die für die Profession “randständig” sind” (Vgl. [3]).

Wöchentliche Arbeitszeit

Frauen arbeiten in der Medizin insgesamt fast 15h weniger als Männer im Durchschnitt. Frauen mit Aufstieg arbeiten 7h mehr als Frauen in anderen Berufsverläufen aber immer noch gute 8h weniger als der Durchschnitt bei den Männern und gute 12h weniger als Männer mit Aufstieg. Frauen ohne Kinder arbeiten mit 48.2h pro Woche am meisten und deutlich mehr ALS Frauen mit Kindern, welche nur 37.2h pro Woche arbeiten. Die höchste Arbeitszeit mit 58 Wochenstunden hatten jedoch die Karriere Männer, welche 5h mehr als die Ärzte in anderen Berufsverläufen arbeiten. Letztere arbeiten trotzdem noch 7h mehr als Karrierefrauen.

höher geringer
Männer insgesamt N=171,M=54.8) Frauen insgesamt (N=165, M=40.0)
Frauen ohne Kinder (N=42,M=48.2) Frauen mit Kindern (N=123,M=37.2)
Frauen mit Aufstieg (N=23,M=46.5)Frauen in anderen Berufsverläufen(N=136, M=39.4)
Männer mit Aufstieg (N=60,M=58.2)Männer in anderen Berufsverläufen (N=108, M=53.1)

Tabelle 2.2: wöchentliche Arbeitszeit (in Stunden)

Die deutlich geringeren Arbeitszeiten der Frauen verweisen darauf, dass Frauen ihre beruflichen Ziele wesentlich stärker auf Familie und Haushalt legen, als Männer. Beachtlich ist ausserdem die wöchentliche Arbeitszeit von Männern, die mit 54,8 Stunden pro Woche deutlich über einer normalen 40-Stunden-Woche liegt und eine extreme Belastung darstellt. Bei dieser Belastung stellt sich die Frage wie Männer überhaupt noch ihrem Part in der Haushalt- und Familienarbeit nachkommen sollen.

Monatseinkommen

Männer verdienen im Durchschnitt knapp 2 000 DM(brutto) mehr als Frauen, die aber auch deutlich mehr Stunden pro Woche arbeiten. Männer und Frauen mit einem Aufstieg in die höchste Position verdienen rund 4 000 DM(brutto) mehr als Frauen und Männer in anderen Berufsverläufen der Medizin, welche mit rund 9 500 DM(brutto) weniger als das Durchschnittseinkommen der Frauen ist.

höher geringer
Männer insgesamt (N=146, M=12 915 DM brutto)Frauen insgesamt (N=146, 11 220DM brutto)
Frauen und Männer mit Aufstieg/zwei Phasen (N=182, M=13 679 DM brutto)Frauen und Männer in anderen Berufsverläufen (N=104, M=9 468 DMbrutto)

Tabelle 2.3: gesvhätzes Monatseinkommen

Kinderzahl

höhergeriner
Männer mit hohem Einkommen (N=52, M=1.8)Frauen mit hohem Einkommen (N=44, M=1.3)
Männer mit Aufstieg (N=62,M=1.9)Frauen mit Aufstieg (N=22, M=0.8)
Männer mit Aufstieg in höchste Positionen (N=20, M=2.6)Frauen mit Aufstieg in höchste Positionen (N=5, M=1.4)

Tabelle 2.4: Kinderzahlen

In der Tabelle kann man einen hoch signifikanten Unterschied feststellen: Männer im Aufstiegsmuster haben durchschnittlich 1,9 Kinder, während Frauen mit einem Aufstieg nur 0.8 Kinder haben, folglich haben Männer fast doppelt so viele Kinder trotz des Auf- stiegs. Frauen mit dem Aufstieg in die höchste Position haben zwar mit 1.4 Kindern mehr als Frauen mit Aufstieg oder Frauen mit hohem Einkommen, aber trotzdem wesentlich weniger als Männer mit einem Aufstieg in die höchste Position, welche 2.6 Kinder haben. Es wird deutlich, dass zeitaufwendiger Beruf mit einer Karriere, bei Männern besser mit dem Familienleben vereinbar ist, als bei Frauen. Betrachtet man zusätzlich die wöchentlich Arbeitszeit von Frauen (46.5) und Männern (58.2) sieht man deutlich, dass Männer trotz der höheren zeitlichen Belastung im Beruf mehr Kinder haben als Frauen. Frauen haben es schwerer den Beruf und Karriere mit der Erziehung der Kinder zu vereinen, dies liegt unteranderem an der Verteilung der Aufgaben im Haushalt der Frau mit dem Partner.

Erwerbstätigkeit der PartnerInnen

häufigerselterner
Männer mit nicht erwerbstätigenPartnerinnen (N=50, 33.8%)Frauen mit nicht erwerbstätigen Partnern (N=11, 11.8%)
Männer mit teilzeiterwerbstätigen Frauen(N=59, 39.9%)Frauen mit teilzeiterwerbstätigen Partnern (N=10, 7.3%)

Tabelle 2.5: Erwerbstätigkeit der Partner und Partnerinnen

Rund 74% der Männer haben eine nicht vollzeit arbeitende Partnerin, oder anders gesagt jeder vierte Mann lebt mit einer Frau zusammen die nur teilzeit- oder garnicht erwerbs- tätig ist. Im Gegensatz dazu haben nur 15% der Frauen einen Partner der nicht oder nur teilweise erwerbstätig ist. Bei den Frauen sind jedoch auch Männer darunter, die sich be- reits im Ruhestand befinden, da sie älter als ihre Frauen sind. Besonders stark tritt dieser Unterschied im Aufstiegsmuster auf, da hier fast jeder zweite Mann (45%) eine nicht er- werbstätige Partnerin und jeder dritte Mann (32%) eine teilzeit erwerbstätige Partnerin hat. Bei den Frauen im Aufstiegsmuster haben nur 11% der Frauen einen nicht vollzeit ar- beitenden Partner. Folglich haben fast alle Frauen, welche in der Medizin Karriere machen, einen ebenso vollzeit arbeitenden Partner, der ihnen nicht den Rücken stärken kann, da er genauso viel arbeiten muss und sie folglich nicht im Privat- und Familienleben entlasten kann. Im Gegensatz zu den Frauen haben die Männer in der Regel eine Partnerin, welche sie im Haushalt und Familie entlasten können, und somit den Beruf und die Karriere leichter mit dem Familienleben vereinen können. Mit dieser Entlastung erklärt sich auch die höhe- re wöchentliche Arbeitszeit der Männer und die höhere Anzahl an Kindern im Vergleich zur Frau. Mit dem Aufstieg steigt die Differenz zwischen Belastung im Berufsleben und Entlastung im Privatleben zwischen Männern und Frauen.

Bezüge zwischen beruflichen und privaten Lebensereignissen

häufigerseltener
Frauen aller Bezüge (N=177,M=2.3)Männer: Anzahl aller Bezüge (N=174, M=1.7)
Männer: Geburt und Aufstieg (N=40, 30.2%)Frauen: Geburt und Aufstieg (N=12,9.2%)
Frauen: Geburt und Unterbrechung (N=32, 24.2%)Männer: Geburt und Unterbrechung (N=2, 1.5%)
Frauen: Geburt und beruflicher Wechsel (N=24, 18.3%)Männer: Geburt und beruflicher Wechsel (N=13, 9.8%)

Bei den Bezügen zwischen den beruflichen und privaten Lebensereignissen wurde der Be- rufsverlauf nach einer Geburt untersucht. Bei jedem dritten Mann hat die Geburt eines Kindes eine positive Auswirkung auf die Karriereleiter. Im Gegensatz dazu können nur 9.2% der Frauen nach der Geburt einen Aufstieg vermerken. Von den befragten Frauen hat jede vierte eine Unterbrechung nach der Geburt des Kindes gehabt, bei den Männern waren es nur 1.5%. Des Weiteren haben doppelt so viele Frauen wie Männer einen beruflichen Wechsel nach der Geburt. Insgesamt bedeutet die Geburt eines Kindes für Frauen eher eine berufliche Verschlechterung, als für Männer, zum Beispiel durch ein Erziehungsjahr oder einen beruflichen Wechsel.

Zwischenfazit der Medizin

Für Männer scheint es leichter zu sein, Familie und das Arbeitsleben zu vereinen. Dies liegt unteranderem daran, dass sie eine nicht oder nur teilzeit erwerbstätige Frau haben, wel- che sie in zeitintensiven Tätigkeiten wie Hausarbeit und Familie unterstützt und entlastet. Frauen haben hingegen in der Regel keinen Partner, der sie unterstützen kann, da die Part- ner meist ebenfalls vollzeit arbeiten, folglich stellen Frauen häufiger ihre Karrierewünsche auf Kosten des Kinderwunsches zurück. Bei den Männern ist eine gewisse Segmentation zu erkennen, da der berufliche und private Lebensstrang ohne wesentlich mehr Aufwand nebenher laufen. Beruflicher Erfolg kann objektiv am Aufstieg, Gehalt und Prestige des Fachgebiets einer Personen gemessen werden. Der subjektive Berufserfolg sollte hierbei jedoch nicht vergessen werden. Subjektiver Erfolg ist zum Beispiel die Arbeitszufriedenheit, die zeitliche Belastung, die Kombination aus Beruf und Familienleben, aber auch das Verhältnis von den Kompeten- zen und der Anforderungen. Wie aber schon vorher erwähnt, arbeiten eher Männer in den prestigeträchtigen Berufen wie der Chirurgie und inneren Medizin und Frauen größtenteils in den nicht so angesehenen Berufen wie der Knderheikunde. In den Interviews ergab sich, dass Frauen ihren beruflichen Erfolg an einem sich optimal an die Lebensgestaltung anpassenden Berufsverlauf messen. Der Beruf sollte sich folglich bestmöglich mit dem privaten Lebensstrang vereinen lassen. In den Interviews ergaben sich drei Hauptformen der Lebensgestaltung:

  • Es herrscht eine Dominanz des Berufes, des Privatlebens oder ein Gleichgewicht beider Sphären vor. In diesme Fall liegt eine Segmentation der Lebenssphären vor.
  • Bei der Realisierung der persönlichen Ziele gibt es Abstriche, welche jedoch auch in beiden Sphären oder garnicht vorliegen können. Dieser Fall wird als Integration bezeichnet.
  • Es herrscht keine klare Grenze zwischen den beiden Sphären, dies wird als Entgrenzung bezeichnet.

Zieht man nun diese drei Fälle mit in Betracht, so fällt auf, dass Männer durch die starke Unterstützung ihrer Partnerin, eine strickte Trennung von Berufsleben und Fami- lie haben und demnach eine Segmentation der beiden Lebenssphären vorliegt. Bei Frauen hingegen liegt keine starke Entlastung seitens der Männer vor, welches sie zu Einschrän- kungen der familiären oder beruflichen Ziele drängt. Sie haben folglich eher eine integrative Lebensgestaltung, da sie sich entweder in ihren familiären oder beruflichen Zielen meist einschränken. Dies wird an der geringeren Kinderzahl von Frauen und deren geringeren Arbeitszeiten deutlich.

Zusammenfassend kann man aber sagen, dass nicht nur Männern, sondern auch Frauen eine klare Grenze zwischen dem Berufsleben und dem Privatleben ziehen. Dies wurde an- hand der Biographien festgestellt, da hier berufliche und private Ziele getrennt voneinander verfolgt wurden. Auf Grund der partnerschaftlichen Bedingungen haben es Frauen jedoch meist schwerer ihre beruflichen Ziele zu verfolgen, da sie nicht die Unterstützung bekommen wie die männlichen Ärzte von ihren Partnerinnen.

Ergebnisse Psychologie

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft, deren Etablierung als Beruf erst ca. 1920 stattfand. Im Laufe der Zeit haben sich drei Berufsfelder herauskristallisiert: klinisch- therapeutisch, arbeits- & organisationspsychologisch und pädagogisch-psychologisch. Ne- ben diesen drei Größen, konnten sich bislang nur wenige sehr kleine Felder wie z.B. der Verkehrs- oder Kriminalpsychologe etablieren. Im Vergleich zur Anzahl der Fachgebiete in der Medizin ist die Psychologie noch überschaubar und stellt sich die Frage, ob eine derart fortgeschrittene Spezialisierung in der Psychologie überhaupt stattfinden kann. Sicher ist, dass die Psychologie mehr in den Vordergrund der Öffentlichkeit dringt und gerade sol- che Fernsehserien erfolgreich wurden, deren Schwerpunkt der Einsatz von Psychologie in Extremsituationen war. So konnte die TV-Serie “Flashpoint - das Spezialkommando”, in der Geiselnahmen mit psychologischen Mitteln analysiert und deeskaliert werden, sich die höchsten Einschaltquoten in Amerika und Kannada sichern. Weitere bekannte Fernsehse- rien sind “Criminal Minds”, in denen das Verhalten von Serienkiller erklärt und gegen sie angewandt wird, “The Mentalist”, der als Psychologe der Polizei beiseite steht und das eine oder andere Detail zum Verhalten von Zeugen oder Verdächtigen erklärt, und die etwas äl- tere Serie “Monk”, in der ein Privatdetektiv schwierige Fälle löst, indem er Details analysiert und auf verdächtiges Verhalten zurückschließt.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt wie die Psychologie sich einen Weg in unser Le- ben bahnt es werden sich meiner Meinung nach weitere Berufsfelder etablieren, die gerade noch im Entstehen sind. Die kostengünstige Aggregation von Benutzerverhalten im Inter- net bietet genügend qualitatives und quantitatives Forschungsmaterial, wovon nicht nur die Werbeindustrie massiv profitiert, sondern auch die Psychologie als Wissenschaft. Die zugrunde liegende Studie beschäftigt sich mit dem Berufsverlauf der Psychologen im Geschlechtervergleich. Eine Besonderheit der Psychologie ist, dass Frauen der Zugang zum Studium der Psychologie von Anfang an offen stand. So waren es schon 1950 39% Frauen und im Jahr 2000 72% Frauen.

Berufsverläufe

Der typische Berufsverlauf des Psychologen läuft in einem von 8 Mustern ab, wobei diese Abgrenzung voneinander so deutlich ist, dass sich jede untersuchte Person eindeutig zuord- nen liess und die Verifikation durch die Interviewteilnehmer in 58 von 62 Fällen bestätigt wurde. Markant für alle Berufsverläufe ist, dass in der Psychologie lange Einstiegsphasen von 1 bis 3 Jahren mit teilweiser Erwerbslosigkeit vorkommen. Das erste Muster P1 beschreibt den kontinuierlichen Aufstieg, wobei man in der Psy- chologie den Aufstieg nicht anhand von Titeln wie Ober- oder Chefarzt ablesen kann. Als höchste Position wurde ein Psychologe mit mehr als 10 Weisungsbefugten definiert, sowie Hochschulprofessoren und Unternehmensinhaber. Das Kriterium für mittleren Aufstieg ist eine Weisungsbefugnis über drei bis neun Personen.Das zweite Muter P2 entspricht der Kontinuität in Institutionen und bedeutet unbe- fristete Tätigkeiten in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. Die Inhalte der Tätigkeiten bleiben in der Regel ähnlich. Das dritte Muster P3 entspricht der Kontinuität Selbständiger und bedeutet, dass sich Personen offenkundig und dauerhaft in der Freiberufslichkeit etabliert haben. Im vierten Muster P4 “zwei kontinuierliche Phase” wechseln Psychologen aus einer In- stitution in die freie Praxis oder umgekehrt. Anders als in der Medizin bedeutet solch ein Wechsel für den Psychologen auch eine andere inhatliche Tätigkeit. Aufgrund der Mehr- gleisigkeit vieler Psychologen, die sich bereits in der Einstiegsphase herausbildet sind diese meist vorbereitet. Das 5. Muster P5 der Doppel- und Mehrgleisigkeit ist ein Heraustellungsmerkmal der Psychologie, da es in der Medizin nicht vertreten war und bedeutet, dass Psychologin z.b. die ihre Arbeitszeit auf freiberufliche und abhängig beschäftigte Tätigkeiten aufteilen. Ein Beispiel wäre der Psychotherapeut, der zugleich im arbeits- und organisationspsychologi- schen Bereich tätig ist. Ein weites Muster P6 “Kontinuität und Diskontinuität“kommt ebenfalls nur in der Psy- chologie vor: Kontinuität und bedeutet, dass ein Angestellter trotz mehrmaligen Wechsel der Institution (Diskontinuität) seinen Job behält. Das siebte Muster P7 der Diskontinuität zeichnet sich durch Unterbrechungen der Tä- tigkeit aus, die länger als 1 Jahr dauern. So gliedert sich die Person in drei Phasen mit zwei gravierenden Wechseln: dem Aus und Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit. Eine kürzere Dauer würde wohl jede Frau mit Kind einschließen. Das letzte Muster P8 bezeichnet die besonders starke Diskontinuität, die durch zwei oder Mehr Wechsel und / oder Unterberechungen und / oder Doppel- und Mehrgleisigkeit gekennzeichnet ist. Die kommt unter anderem auch durch längere Kinderpausen zustande. Zusammenfassend ist der Berufsweg eines Psychologen schwerer antizipierbar und die Spezialisierung auf mehrere Gebiete liefert die benötigte Flexibilität. Insgesamt ist die Psychologie in ihren Fachgebieten noch nicht so gefestigt wie die seit langem bestehnde Wissenschaft der Medizin und eine Spezialisierung auf nur ein Fach birgt das Risiko der Arbeitslosigkeit.

Abbildung 3.1: Übersicht der Berufsverlaufmuster der Psychologie

Wie man an der Abbildung 3.1 sehen kann, verläuft das Berufsmuster von Frauen und Männer fast komplementär und eine vertikale Segregation ist klar erkennbar, da 21,4% der Männer im Gegensatz zu 6,3% der Frauen aufgestiegen ist. Auffällig ist auch die Verteilung von 52% aller Frauen auf die diskontinuierlichen Berufsverläufe (P6,P7 und P8), aber nur 25% der Männer.

Tätigkeitsfelder

häufigerseltener
Frauen in klin.-therap. Feldern (N=311,77,9%)Männer in klin.-therap. Feldern N=117.62,9%)
Männer in A&O-psych. Feldern (N=29,15,6%)Frauen in A&O-psych. Feldern(N=18, 4,5%)
Männer in A&O-psych. Feldern mit aufstieg u. Kontinuität(N=19,20,0%)Frauen in A&O-psych. Feldern mit Aufstieg u. Kontinuität (N=4;3,3%)

Tabelle 3.1: Tätigkeitsfelder

Wie die Übersicht zeigt, sind überproportionale Frauen in der klinisch-therapeutischen Psychologie beschäftigt und die Arbeits- und Organisationspsychologie wird von Männern dominiert. Hervorzuheben ist, dass gerade in diesem männerdominierten Berufsfeld nochein- mal mehr Männer (20,0%) als Frauen (4,5%) beruflichen Erfolg in dem Sinne haben, dass sie in besonders hohe Positionen aufsteigen und sehr kontinuierliche Karrieren durchlaufen. Für die horizontale Segregation wäre es nun interessant zu wissen, was die Frauen in die klin.-therap. Ecke drängt oder ob es die Männer sind die es an das vielleicht prestigeträch- tigere Feld der Arbeits- und Organisationspsychologie zieht, weil gerade in der A&O-psych. die vertikale Segregation besonders erkennbar ist und Männer wie schon erwähnt eher auf- steigen und Erfolg haben. Auch insgesamt kann man eine vertikale Segregation mehr bei den Männern feststellen, so sind 21,4% Männer vs. nur 6,3% Frauen in dem Berufsmuster P1 des kontinuierlichen Aufstiegs repräsentiert.

Wöchentliche Arbeitszeit

höhergeringer
Männer insgesamt (N=184,M=44.5)Frauen insgesamt (N=379,M=31.6)
Frauen ohne Kinder (N=110,M=38.8)Frauen mit Kindern (N=269, 28.7)
Frauen mit Aufstieg (N=24,M=41.5)Frauen in anderen Berufsverläufen(N=351, M=30.9)

Tabelle 3.2: wöchentliche Arbeitszeit (in Stunden)

Die wöchentliche Arbeitszeit ist mit den Medizinern in der Intensivität kaum vergleich- bar. So arbeiten die Psychologen über 10 Stunden weniger als die Mediziner und auch die Psychologinnen noch über 8 Stunden weniger als die Medizinerinnen. Gemeinsamkeiten las- sen sich nur dahingehend feststellen, dass sowohl in der Medizin als auch in der Psychologie 13die Männer über 12 Stunden mehr pro Woche arbeiten als die Frauen. In der Psychologie arbeitet selbst eine Frau mit Aufstieg weniger als die Männer insgesamt. Woran liegt diese ungleiche Verteilung der wöchentlichen Arbeitszeit? Frauen mit Kinder arbeiten mit 28,7 Stunden pro Woche nocheinmal deutlich weniger. Es stellt sich die Frage, ob der Beruf eines Psychologen generell nicht so zeitintensiv ist wie der eines Mediziners oder ob der Psycholo- ge seine Prioritäten anders setzt und von seinem Privatleben auch noch etwas haben möchte. Zieht man die Aussagen des Interviews heran, so zeigt sich, dass die Mehrzahl der Frauen den Berufserfolg nicht ausschliesslich an Aufstieg, Einkommen und Prestige misst, sondern der Berufserfolg im weiteren Sinne mehr als ein ganzheitliches Konzept entpuppt, dass sich ideal auf das Privatleben abstimmt. Wenn die Psychologinnen also nicht so karriereorien- tiert sind, spiegelt sich das natürlich auch in der Arbeitszeit wieder und dementsprechend sind erfolgreiche Psychologinnen insgesamt mit nur 31,6 Wochenstunden zwar nicht Vollzeit beschäftigt, aber durchaus glücklich.

Monatseinkommen

höhergeringer
Männer insgesamt (N=145, M=7860 DM brutto)Frauen insgesamt (N=331, 5652 DM brutto)
Frauen und Männer mit Aufstieg/zwei Phasen (N=130, M=7169 DM brutto)Frauen und Männer in anderen Berufsverläufen (N=341, M=5993 DM brutto)

Tabelle 3.3: geshätztes Monatseinkommen

Bei einer geringeren Arbeitszahl ist das im Vergleich zur Medizin geringere Einkommen keine Überraschung. Es ist auch wenig überraschend, dass Männer insgesamt mit 7860 DM wieder einmal wie in fast allen anderen Bereichen mehr verdienen als Frauen insgesamt mit 5652 DM. Interessanter ist hier, dass sich in der Doppel- und Mehrgleisigkeit mehr Personen mit hohem Einkommen befinden, so dass dieser Berufsverlauf neben dem des Aufstiegs als besonders erfolgreich gelten kann.

Kinderzahl

höhergeringer
Männer mit hohem Einkommen (N=98, M=1.6)Frauen mit hohem Einkommen (N=59, M=1.2)
Männer mit Aufstieg in höchste Positionen (N=17, M=2.5)Frauen mit Aufstieg in höchste Positionen (N=10, M=1.0)

Tabelle 3.4: Kinderzahlen

Auch in der Kinderzahl zeigen sich Parallelen zur Medizin, da sie sich nur marginal von der Medizin unterscheiden. Männer mit Aufstieg in höchste Positionen haben mit 2,5 Kindern deutlich mehr als Frauen mit höchstem Aufstieg (1,0 Kinder). Dieser Unterschied kann den großen Einfluss von Kindern bezüglich des beruflichen Erfolges deuten. Warum haben Chefinnen weniger Kinder als Chefs? Meiner These nach wird man nicht einfach so “Chef”, sondern man muss darauf hinarbeiten und das Ziel vor Augen haben. Während es für den Mann leichter ist Kinder und Karriere zu vereinen, hat die Frau den Nachteil der Schwangerschaft, die sie nicht nur im Job beeinträchtigt, sondern auch eine Zwangspause drängt. Die Frage ist nun, ob die Chefin zur Realisierung ihres Aufstiegs auf die Kinder verzichtet, womit wir bei der Integration der Lebensspähren mit Abstrichen im Privatle- ben wären. Vielleicht weckt eine Schwangerschaft die Mutterinstinkte der Frau und die Karrieleiter rückt somit in den Hintergrund.

Erwerbstätigkeit der PartnerInnnen

häufigergeringer
Männer mit nicht erwerbstätigen Partnerinnen (N=25, 14.9%)Frauen mit nicht erwerbstätigen Partnern (N=20, 6.2%)
Männer mit teilzeiterwerbstätigen Frauen(N=80, 47.6%)Frauen mit teilzeiterwerbstätigen Partnern (N=30, 9.3%)

Tabelle 3.5: Erwerbstätigkeit der PartnerInnen

Die Erwerbstätigkeit der Partner und Partnerinnen kann ein weiterer Grund sein, warum Kinder und Karriere so schwer für Frauen realisierbar sind. Psychologinnen leben zu 6,2% mit einem nicht erwerbstätigen Parner und zu 9,3% mit einem Teilzeit beschäftigten Partner zusammen. Dass heisst 84,5% der Frauen haben einen vollzeitbeschäftigen Mann, der sie nicht beim Haushalt oder der Familienarbeit entlasten kann. Eine Karrierefrau hätte also neben der Schwangerschaft eine doppelte Belastung nach der Geburt zu stemmen. Männer hingegen haben nur zu 37,5% eine erwerbstätige Partnerin. Eine kleine Anekdote aus den Interviews: Ein Arzt hat sich von seiner ersten Frau getrennt, weil diese nicht auf ihren Job verzichten wollte. Erst die zweite Frau hat sich brav der Hausfrau verschrieben und dem Arzt seine Entlastung im Privatleben gegeben. Dass zeigt, dass es für karrierebewusste Menschen sogar notwendig sein kann, einen nicht erwerbsfähigen Partner zu haben. Hier verweise ich allerdings für eine weitere Diskussion auf die Hausarbeit zu Dual Career Couples.

Bezüge zwischen beruflichen und privaten Lebensereignissen

häufigerseltener
Frauen aller Bezüge (N=399,M=2.7)Männer: Anzahl aller Bezüge(N=186, M=2.3)
Männer: Geburt und Aufstieg (N=28, 21.5%)Frauen: Geburt und Aufstieg (N=23,8.2%)
Frauen: Geburt und Unterbrechung (N=87, 30.9%)Männer: Geburt und Unterbrechung(N=3, 2.3%)
Frauen: Geburt und beruflicher Wechsel (N=82, 29.1%)Männer: Geburt und beruflicher Wechsel (N=15, 11.5%)

Tabelle 3.6: Bezüge zwischen beruflichen und privaten Lebensereignissen

Hier sieht man noch einmal die unterschiedlichen Auswirkungen von privaten Lebenser- eignissen bei Männern und Frauen. In den Lebensläufem vom Frauem fallem private Ereig- nisse wie die Geburt von Kindern zeitlich mit Unterbrechungen und ähnlichen Ereignissen zusammen, die einen beruflichen Aufstieg erschweren. Bei den Männern fallen dagegen die gleichen privaten Lebensereignisse zeitlich häufiger mit positiven Weichenstellungen für den beruflichen Erfolg aus. Warum ist das so? Eine These wäre, dass die Geburt eines Kindes zwangsläufig bedeutet, dass ein Partner kürzer treten muss bzw. das Erziehungsjahr erleben darf. Aufgrund des niedrigeren Einkommens der Frau, liegt es nahe die Frau kürzer treten zu lassen. Auf der anderen Seite kann aber auch genau der Kostenfaktor Kind, zusammen mit dem gekürzten Gehalt der Frau, den Mann motivieren sich energischer für Beruf und Karriere einzusetzen und so die finanzielle Unabhängikeit der Familie zu sichern.

Zusammenhänge Medizin und Psychologie

Es fällt auf, das nur 25% der Mediziner eine vollzeitbeschäftigte Partnerin haben, während es 37,5% bei der Psychologie sind. Noch deutlicher wird der Zusammenhang bei den Männern mit nicht erwerbstätiger Partnerin: 33,8% bei der Medizin vs. 14,9% bei der Psychologie. Warum ist die Psychologie egalitärer als die Medizin?

Eine Betrachtungsweise ist, dass der Mediziner mit seinem höheren Gehalt und den durchschnittlich 54,8 Arbeitstunden pro Woche erstens nicht mehr auf einen Zweitverdie- ner angewiesen ist und zweitens einfach eine entlastende Kraft für Familie und Haushalt benötigt. Die andere hat sich in den Interviews mit den Psychologen herausgestellt, demnach sehen sich Psychologen als Vorreiter eines neuen gesellschaftlichen Leitbildes der Egalität. Es ist wohl eine Mischung aus beidem, denn zum einen sind die Psychologen mit 10 Stunden weniger Arbeitszeit pro Woche(44,5) deutlich entlastet, aber sie bringen sich auch signifi- kant mehr in der Haushalts- und Familienarbeit ein (siehe Abbildung 4.1). Die Integration beider Lebensphärem gelingt den Psychologen offenbar besser. Wobei man sich die Frage stellen muss, ob die kürzere Arbeitszeit der Psychologen nicht gerade daher kommt, dass sie sich mehr im Haushalt einbringen wollen und so der Vorreiterrolle der Egalität gerecht werden wollen. Doch warum wollen gerade Psychologen diese Vorreiterrolle einehmen und nicht die Mediziner? Könnte es mit dem Fakt zu tun haben, dass die Psychologie eine noch sehr junge und formbare Wissenschaft ist, deren Lehren und Gebräuche durch die in den letzten Jahrzenten immer stärkere Emanzipation beeinträchtigt worden ist? Das Studium der Psychologie stand den Frauen von Anfang an offen und mit einem heutigen Anteil von über 72% weiblicher Absolventen sorgt diese Wissenschaft in Eigenregie für die Bevorzu- gung weiblicher Ansichten, die an erster Stelle die Gleichberechtigung im Auge haben. Ein Beispiel ist die Begründerin der Sterbeforschung Elisabeth Kübler-Ross, die sich mit ihren Beiträgen zur Psychologie nicht nur Ruhm, sondern auch Anerkennung in der Wissenschaft verdient hat und vielleicht für den einen oder anderen Psychologen zum Vorbild wurde. In der traditionellen Medizin hingegen musste den Frauen der Zugang zum Studium erstmal ermöglicht werden. Diese jahrtausendealte Wissenschaft wurde von Männern geprägt und auch heute ist das typische Bild eines Arztes, ein in Wohlstand lebender Mensch mit Kin- dern und einer Frau für den Haushalt. Das Bild der Medizin bessert sich, da sich der Anteil von männlichen und weiblichen Absolventen der Medizin angleicht.

Anmerkung: Leider keine Statistik über Quote der Absolventinnen in der Med- zin über die letzten 20 Jahre gefunden.

Doch auch wenn sich die Psychologie als Vorreiter sieht, sind die geschlechtlichen Unter- schiede in der vertikalen und horizontalen Segregation genauso wie in der Medizin deutlich zu erkennen. Auch die Haus- und Familienarbeit von Psychologen wird noch zu 53,2% größtenteils den Frauen überlassen. Zusammenfassend lässt sich festhalen, dass die geschlechtlichen Unterschiede in der Psy- chologie nicht so stark ausgeprägt sind wie in der Medizin, aber dennoch die gleichen Muster erkennbar sind. Die Männer arbeiten mehr, verdienen mehr, steigen eher auf, ein Kind zieht beruflichen Erfolg nach sich und Männer sind eher in den prestigeträchtigen Feldern ver- treten. Für die Ungleichheit der Geschlechter in der Arbeitswelt ist nicht nur die Doppelbelas- tung und Vereinbarkeitsproblematik von Frauen im Alltag verantwortlich, sondern auch die Diskontinuität der Berufsverläufe von Frauen (durch z.B. Geburten, Erziehungsjahr) bzw. die Kontinuität der Berufsverläufe von Männern verantwortlich. Auch der Punkt, dass Män- ner im gleichen Beruf mehr verdienen trägt stark dazu bei. Geht es um die Frage, welcher Elternteil das Erziehungsjahr nehmen soll, so entscheidet sich die Familie logischerweise für den, der weniger Verdient und das ist meistens die Frau. Offen geblieben ist die Frage warum Frauen sich öfter und freiwillig für die Familie entscheiden, während Männer häufiger den Weg der Karriere wählen. Sicherlich trägt die schon angesprochene Gehaltsdifferenz dazu bei, die im Fall einer Geburt eher die Frau in die Teilzeit und das Familienleben drängen. In den Interviews ergab sich, dass nur 9,9% der Frauen (Vgl. [1] Vorlesung Block 7 Folie 100) dem Berufsleben eine höhere Priorität als dem Familienleben zuordnen und demnach mit ihrer Entscheidung glücklich sind. Sind die Verhaltensmuster der Steinzeit noch so sehr in unseren heutigem Leben verankert, dass sich die Frau als Hüterin der Höhle sieht und ihre Rolle als Sammlerin (Einkaufen) und Fürsorgerin der Nachzucht akzeptiert und der Mann als Jäger das Wild erlegt und die Beute (Geld) nachhause bringt? Das sind jedoch reine Spekulationen, die mit einer weiteren Studie belegt werden müssten.

Literaturverzeichnis

  • [1] Ernst-H. Hoff. Vorlesung Wintersemester 2009/2010 Arbeit Organisation und berufliche Entwicklung. 2010.
  • [2] Ernst-H. Hoff, Stefanie Grote, Hans-Uwe Hohner, and Susanne Dettmer. Berufsverläufe, Berufserfolg und Lebensgestaltung von Psychologinnen und Psychologen. 1999-2004.
  • [3] Hans-Uwe Hohner, Stefanie Grote, Ernst-H. Hoff, and Susanne Dettmer. Berufsverläufe, Berufserfolg und Lebensgestaltung von Ärztinnen und Ärzten. 1999-2004.
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